Rundbrief 63 – Juli 2026

Inhalt:

Das erste Vorwort

Dieser Rundbrief hat zwei Vorworte. Dieses ist „wie immer“ und gibt einen Überblick über den Rundbrief. Und das zweite fand ein Vorstands­mitglied „philosophisch“. Es geht darum, wie wir humanitäre Hilfe verstehen. Und, daraus abgeleitet, ein paar neue Projektideen.

Manche Projekte ergeben sich aber auch sehr schnell, quasi von einer Minute auf die andere, aus einem Projekt ergibt sich direkt das nächste.

So ergab sich aus dem Projekt „Feuerwehr­auto“ das Projekt „Feuerwehr­schläuche“ und daraus das Projekt „Kranken­wagen“.

Langfristig angelegt sind unsere Hilfen für an Diabetes erkrankte Kinder in der Ukraine, für Bosnien und für Geflüchtete in Calais. Worüber wir öfter berichten.

Weniger spektakulär, aber trotzdem wichtig, sind unsere Hilfen zur Integration in Aachen. Hier geht es um zwei Projekte, die schon über 10 Jahre laufen: „Möbel und mehr“ hilft Zuge­wanderten bei der Einrichtung von Wohnungen, „Deutsch sprechen“ hilft beim, äh, Deutsch sprechen, aber auch beim täglichen Zusammenleben von und mit Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.

Und schließlich geht es noch um zwei weitere Projekte, die wir in Aachen starten möchten: „Winterhilfe für Obdachlose und bedürftige Menschen“ sowie einen „Übersetzer-Pool“, der hilft, sprachliche Barrieren kurzfristig zu überbrücken.

Natürlich – und auf diese Worte habt ihr schon gewartet – geht das alles nicht ohne euch. Jede Form von Hilfe geht nicht ohne Leute, die mit anpacken – oder etwas spenden, denn ganz ohne Geld geht nichts.

Für beide Formen der Mit-Hilfe findet ihr in diesem Rundbrief Beispiele. Hoffentlich ist auch für euch etwas dabei.

Der Vorstand des Aachener Netzwerks

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Lange Tafel der Vielfalt – mitten in der Sonne

Geben und zurück geben

„Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit e.V.“ – was für ein Name. Wie oft habe ich schon überlegt, ob man ihn nicht kürzen kann. Aber: Er passt so gut zu uns. Jeder Teil des Namens ist wichtig. Manche mehr, manche weniger.

Unser Vereinssitz ist in Aachen. Das ist gut, weil wir so in jeder Liste vorne stehen. Aber nur die Hälfte unserer Mitglieder wohnt in Aachen und nur die wenigsten unserer Projekte beziehen sich auf Aachen.

Netzwerk – klingt für viele, als wären wir ein Verein von Vereinen. Tatsächlich ist bei uns kein einziger Verein Mitglied. Aber wir haben viele gute Kontakte zu anderen Vereinen und Gruppen. Dadurch können wir viel bewegen, das wir alleine nie schaffen würden.

Interkulturelle Friedensarbeit – unser Verein zeigt, wie man über Regionen und Religionen hinweg zusammen arbeiten kann. Wir haben Mitglieder aus Europa, Afrika und Asien; wir haben christliche, muslimische, jüdische und nicht-religiöse Mitglieder. Wir leben Toleranz und sind davon überzeugt, dass gegenseitiger Respekt zu einem friedlichen Miteinander beiträgt.

Humanitäre Hilfe – Wikipedia sagt dazu: „Als humanitäre Hilfe (von lateinisch humanitas ‚Menschlichkeit, Wohltätigkeit‘) bezeichnet man Maßnahmen zum Schutz und zur Versorgung von Menschen in einer humanitären Notlage, die über eine Erstversorgung hinausgehen.“
Je länger ich drüber nachdenke, desto mehr erscheint mir „Humanitäre Hilfe“ als Tautologie, als inhaltliche Wiederholung, wie ein „weißer Schimmel“ oder eine „tote Leiche“. Denn ist Hilfe nicht immer humanitär? Ist helfen nicht einfach menschlich?

Bedarf es dazu, wie Wikipedia sagt, einer echten Notlage?

Natürlich hilft das Aachener Netzwerk in harten Notlagen. Wir helfen Menschen auf der Flucht, besonders in Bosnien und in Calais. Wir helfen Menschen, die von Naturkatastrophen oder von Krieg betroffen sind.

Aber wir helfen Menschen auch „nur“ dabei, sich besser in Deutschland zurecht zu finden. Wir helfen ihnen seit 2015 mehrmals im Monat beim Erlernen der deutschen Sprache (und dabei auch der Lebensweise in Deutschland), wir vermitteln seit 10 Jahren in einer WhatsApp-Gruppe „Möbel und mehr“, wir vermitteln gebrauchte Fahrräder und unterstützen bei vielen anderen Problemen.

Hier die Helfer, dort die nach Hilfe Suchenden? So einfach ist es nicht. Und damit meine ich nicht die zahlreichen Bosnier*innen in unserem Verein, die jetzt anderen zur Seite stehen. Da sind auch mehrere Syrer, die jedes Jahr wieder bei unserer Kunstauktion helfen. Da ist die Gruppe „Deutsch sprechen“, die ein Mal im Jahr im Garten des Welthaus anpackt und Brombeeren etc. entfernt.

Da ist der Ukrainer, der die Fahrräder, die wir weitergeben, vorher repariert und die Bremsen nachstellt.

Und natürlich haben wir noch mehr Ideen:
– Wir möchten einen Pool ehrenamtlicher Über­setzer aufbauen, die Menschen unterstützen, die (noch) kein oder wenig Deutsch können.
– Wir überlegen, ob wir nicht auch anderen Menschen helfen können, die der Hilfe bedürfen. Wie der alten Frau, die ihren Garten nicht mehr selbst pflegen kann. Oder dem Mann, der nach einer Operation nicht selbst einkaufen kann.
– Wir planen eine Obdachlosenhilfe in Aachen im nächsten Winter.

Der, der gestern noch Hilfe angeboten hat, benötigt sie heute vielleicht schon selbst.

Die, die heute noch Hilfe benötigt, kann morgen anderen helfen.

Ist das „Geben und zurück geben“? Oder ist es einfach nur menschlich, anderen zu helfen?

In diesem Sinne ist „Humanitäre Hilfe“ tat­sächlich eine Tautologie.

Helmut Hardy

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Das Feuerwehrauto in Odessa

Im Mai ergab sich kurzfristig die Gelegenheit, zusammen mit unseren Partner Kipepeo e.V. in Winterberg und Gora Dobra UA in Lviv ein Feuerwehrauto zu kaufen, das im ukrainischen Odessa dringend benötigt wurde.

Tatsächlich kam das dafür benötigte Geld außergewöhnlich schnell zusammen (1000 Dank an die Spender*innen!) und das Fahrzeug wurde gekauft.

Die Feuerwehrleute (ja, gegendert, denn es gibt auch Frauen unter ihnen) aus Odessa kamen nach Winterberg und waren begeistert. Feierlich wurde das Fahrzeug von den alten Besitzern an die neuen übergeben, die sich am nächsten Tag direkt auf dem Weg in die Heimat machten.

Was nun noch fehlt(e), waren Schläuche (B- und C-Rohre) sowie Helme, Kleidung, Stiefel…

Man kennt jemanden, die den Chef der Feuerwehr kennt. Man kennt jemanden, der bei der Freiwilligen Feuerwehr ist. Man kennt jemanden, der bei der Berufsfeuerwehr ist. Und fragt dann herum: „Habt ihr…?“, „Kennt ihr jemanden…?“, „Wisst ihr…?“.

Und so kam jemand darauf, direkt einen Her­steller von Schläuchen zu fragen. Ganz in der Nähe, keine 50 km von Winterberg entfernt, gibt es eine auf Schläuche spezialisierte Firma. Und die antwortet auf die Frage „Gibt es über Ihr Unternehmen Möglich­keiten, Schläuche oder anderes Material zu reduzierten Kosten zu erwerben?“:
„Wir unterstützen gern die gute Initiative!
Nachfolgendes Schlauchmaterial können wir Ihnen zur Verfügung stellen:
21x B/75 mm – 20 mtr., signal-gelb
1x B/75 mm – 15 mtr., naturfarben
37x C/42 mm – 20 mtr., naturfarben
5x C/42 mm – 15 mtr., naturfarben
Bitte prüfen Sie, ob und wann Sie diese Ware ggf. abholen möchten.“

Es bleiben zwei Fragen:
– Habt ihr noch Feuerwehrhelme übrig? Kennt ihr jemanden, der Feuerwehrkleidung günstig abgibt? Wisst ihr, wo man günstig Feuerwehr­stiefel bekommt?

– Wie kommen die Schläuche nach Odessa?

Zumindest auf die zweite Frage gibt es eine einfache Antwort – aber das ist eine andere Geschichte.

Jan van Egmond und Helmut Hardy

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Krankenwagen-Transport
Oder: Wie kommen die Schläuche nach Odessa?

Jan van Egmond ist das Bindeglied. Nicht nur zwischen dem Aachener Netzwerk und Kipepeo e.V., er ist in beiden Vereinen Mitglied, sondern weit darüber hinaus. Er ist im Sauerland bestens vernetzt und war mehrfach in der Ukraine. Mitte Juli rief er in Aachen an und meinte „Helmut, wir bekommen 64 Schläuche. Geschenkt!“ Eine echt tolle Neuigkeit. Aber wie bekommen wie die Schläuche nun in die Ukraine? „Ja“, meint er, „ganz einfach.“ Es gäbe da einen sehr rührigen Verein in Korbach, nur 30 km von Winterberg entfernt, die Humanitäre Hilfe Korbach e.V. (HHK). Sie würden gerade einen Krankenwagen kaufen und dann in die Ukraine schicken. 12.000 € solle er kosten, komplett ausgerüstet.

Evgeny Sizov, der Vorsitzende der HHK, meinte, es wäre kein Problem, die Schläuche mitzunehmen. Aber es gäbe da noch ein anderes Problem: Es fehlten noch 5.000 € vom Kaufbetrag.

Nach kurzer Beratung war klar: Die Winterberger würden noch 1.000 € dazu tun und das Aachener Netzwerk die restlichen 4.000 € übernehmen – mit viel Vertrauen auf unsere Spen­der*innen.

Mitte August sollen die Schläuche abgeholt werden und der Krankenwagen in die Ukraine fahren.

Seid ihr dabei?

Helmut Hardy

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Kontrolle, die Sicherheit gibt
Oder: Wie ein gemeinsames Projekt Kindern mit Diabetes in der Ukraine hilft

Der kleine Sensor auf dem Oberarm des Kindes ist nicht nur ein medizinisches Gerät. Für ukrainische Familien, die Kinder mit Typ-1-Diabetes großziehen, bedeutet er ungestörten Schlaf, Sicherheit und eine Kindheit ohne stän­dige Schmerzen. Das Hilfsprojekt, das die Wohltätigkeitsstiftung Gora Dobra UA (Lviv/Lemberg, Ukraine) gemeinsam mit den deutschen Partnern Aachener Netzwerk e.V., Kipepeo e.V. und Kriegskindernothilfe e.V. (KKNH) ins Leben gerufen hat, ist in vollem Gange und kann bereits erste beeindruckende Ergebnisse vorweisen.

Erste Erfolge: Zahlen, hinter denen das Leben von Kindern steht

Dank deutscher und ukrainischer Partner konnten im Laufe des Projekts wichtige Meilensteine erreicht werden:
21 Kinder haben bereits lebenswichtige Hilfe in Form von Sensoren zur kontinuierlichen Blut­zuckermessung (Libre, LinX, Dexcom) erhalten. Das bedeutet, dass Tausende von Einstichen in kleine Finger vermieden werden konnten.

Weitere 14 Libre-Sensoren sind gerade von Aachen nach Lviv unterwegs, sodass in Kürze weitere 4 Kinder Schutz erhalten werden.

Zwei Kinder haben einen festen Paten gefunden! Ein Spender hat die Patenschaft für sie übernommen und versorgt sie jeden Monat mit je zwei notwendigen Sensoren, die für die kontinuierliche Überwachung sorgen.

Das Projekt wurde und wird auch innerhalb der Ukraine unterstützt. Dank der ukrainischen Partner und Freunde der Stiftung:
– wurden drei Kinder mit teuren Verbrauchs­materialien für Insulinpumpen versorgt.
– erhielten acht Kinder den notwendigen Vorrat an Nadeln für ihre Insulinpens.

Dutzende Familien erhielten Blutzuckermess­geräte, Lanzetten und anderes wichtiges Zubehör.


„Für manche sind es nur Sensoren. Für uns aber sind sie eine Rettung.“

Am besten sprechen die Briefe, die die Stiftung von Müttern erhält, für die Ergebnisse des Projekts. Jedes Wort darin ist ein aufrichtiger Dank an jeden Spender:

„Für manche sind es nur Sensoren. Für uns sind sie jedoch die Rettung. Denn bei unserem Kind traten Komplikationen auf, es bekam Krämpfe, und der Blutzucker muss ständig überwacht werden. Und jetzt sind wir dank Ihnen ein Stück besser dran…“

„Vielen Dank dafür, dass wir uns keine Sorgen mehr über ständige Blutzuckerschwankungen machen müssen, alles im Griff haben und zumindest für eine Weile ruhig schlafen können…“

„Ein großes Dankeschön aus tiefstem mütterlichen Herzen. Dank der Sensoren kann ich den Blutzuckerspiegel besser im Auge behalten und entsprechend anpassen … und so die Gesundheit meiner kleinen Tochter schützen.“


Eine Warteliste, die nicht warten kann:
Über 300 Kinder brauchen Hilfe

Diese Ergebnisse sind ein unglaublicher Start, doch der Krieg dauert an, und mit ihm wächst der Bedarf an Hilfe. Derzeit stehen über 300 Kinder auf der Warteliste von „Gora Dobra UA“.

Jede dieser Familien lebt täglich in Angst, denn unter Kriegsbedingungen ist es äußerst schwierig, eine lückenlose Betreuung zu gewährleisten.

Wir können leider nicht allen Kindern helfen, aber wir glauben fest daran, dass wir durch gemeinsame Anstrengungen in Zukunft immer mehr Kindern diese Sicherheit bieten können.

Wir suchen Paten:
Werden Sie zum Schutzengel für ein Kind!

Die Sensoren funktionieren nur 14 Tage lang und müssen dann ausgetauscht werden. Daher wird ständig Hilfe benötigt.

Für alle, die über die finanziellen Mittel verfügen, ist eine Patenschaft eine wunderbare Gelegenheit, sich regelmäßig und monatlich für eine großartige und unglaublich wichtige Sache zu engagieren. Als Pate übernehmen Sie die persönliche Patenschaft für ein bestimmtes Kind und versorgen es mit zwei Sensoren pro Monat. Und Sie erfahren genau, wessen Leben Sie retten und wessen Mutterherz Sie die so sehnlichst ersehnte Ruhe schenken. Das Patenschaftsformular finden Sie hier.

Alternative: eine einmalige Spende!

Natürlich können Sie uns und die Kinder auch mit einer einmaligen Spende unterstützen.

Das Projekt benötigt kontinuierliche Unter­stützung – sei es finanziell oder in Form von Sachspenden. Davon besorgen wir z.B. Insulinpumpen oder Verbrauchsmaterialien dafür, Nadeln für Insulin-Pen-Systeme. spezielle medizinische Klebebänder (Pflaster) zur sicheren Befestigung der Sensoren…

Das Spendenformular finden Sie hier.

Ein regelmäßige Spende für einen Sensor oder eine einmalige Spende – beides macht einen riesigen Unterschied im Leben eines Kindes.

Werden Sie Teil dieser großartigen Hilfsaktion!

Tetyana Emelyanenko (Gora Dobra UA)
Übersetzt aus dem Ukrainischen

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4 Kartons unterwegs

Tetyana Emelyanenko ist unsere zentrale An­sprechpartnerin in Lviv bei Gora Dobra UA. Mit ihr zusammen küm­mern wir uns um die an Diabetes erkrank­ten Kinder, aber sie ver­mittelt uns auch not­wendige Kontakte in die ganze Ukraine.

Ab und zu meldet sich jemand bei uns: „Könnt ihr dies und das gebrauchen?“ In diesem Fall war es eine Kinderärztin und sie hatte viele Kanülen übrig. Und wenn man erst mal beim Aufräumen ist (ihre Praxis zog um), fällt einem noch mehr in die Hände.

Auch bei einer anderen Kinderärztin war noch einiges übrig: Spezialnahrung, OP-Masken, Laborkittel, Pflaster, … Alles zusammen waren es 4 Kartons.

In der Ukraine gab es Verwendung dafür und Tetyana in Lviv sagte zu, sich um die Verteilung kümmern. Aber wie kommen die 4 Kartons zu ihr?

Manu Gardeweg von Lohmar hilft e.V. organi­siert regelmäßig Transporte in die Ukraine und bot sich an, die Kartons mitzunehmen. Also machten wir Ende April einen Ausflug in das Lager von „Lohmar hilft“ in Troisdorf.

Sie erwartete uns schon mit Kaffee und einem Mittagessen. Vorher packten wir die Kartons noch schnell auf eine Euro-Palette.

Mitte Juni kamen die Kartons als Teil eines größeren Transports wohlbehalten in Lviv an, wo Tetyana sie übernahm.

Die OP-Masken, die Laborkittel und Kanülen gingen an ein Krankenhaus in Lviv; die restlichen Sachen wurden an Familien mit Diabetes-kranken Kindern verteilt.

Natürlich gab es noch ein paar Gummibärchen (von der STAWAG) dazu.

Helmut Hardy und Tetyana Emelyanenko (Gora Dobra UA)

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Unterstützung für Frauen und Familien auf der Flucht:
Die Auswirkungen partnerschaftlicher Zusammenarbeit

Nicht zum ersten Mal (siehe hier und hier) arbeiten wir mit dem Refugee Women’s Centre in Calais zusammen. Die von Célia gewählte Überschrift für ihren Artikel zeigt, dass viele Organisationen eine gute Zusammenarbeit schätzen:

In den vergangenen Monaten hat das Refugee Women’s Centre (RWC) einen deutlichen Anstieg der Zahl von Frauen und Familien verzeichnet, die an der nordfranzösischen Küste Unterstützung suchen. Immer mehr Frauen kommen schwanger, mit kleinen Kindern oder als alleinerziehende Mütter an, wodurch der Bedarf an Babyausstattung, Schwangerschaftsartikeln, Decken und Hygieneartikeln größer ist als je zuvor.

Als einzige Organisation in den Regionen Calais und Dünkirchen, die sich speziell der Unterstützung von Frauen und Familien auf der Flucht widmet, bemühen wir uns jeden Tag, diesen sich wandelnden Bedürfnissen gerecht zu werden. Dies ist jedoch nur dank vertrauenswürdiger und reaktionsschneller Partner möglich.

Versandfertig bei „Lohmar hilft“

Vor kurzem konnte das Aachener Netzwerk uns einige der dringendsten Hilfsgüter zur Verfü­gung stellen: Decken, Windeln, Baby­flaschen, Umstandshosen, Menstruations­hygieneartikel und viele andere wichtige Dinge des täglichen Bedarfs. Dank der Flexibilität und Reaktions­schnelligkeit konnten diese Artikel zügig und günstig bei Lohmar hilft e.V. beschafft und von Benne aus Düsseldorf an unser Lager geliefert werden, sodass wir sie unverzüglich an die Frauen und Familien verteilen konnten.

Im Lager in Calais

Eine solche Partnerschaft hat unmittelbare und spürbare Auswirkungen. Sie ermöglicht es uns, unsere Hilfslieferungen an sich ändernde Bedürfnisse anzupassen und sicherzustellen, dass Frauen, Babys und Familien lebens­wichtige Güter in Würde und zum richtigen Zeitpunkt erhalten.

Über die materielle Unterstützung hinaus tragen Kooperationen wie diese auch dazu bei, das Bewusstsein für die humanitäre Lage an der französisch-britischen Grenze zu schärfen. Während die Herausforderungen, mit denen Menschen im Exil hier konfrontiert sind, oft wenig Beachtung finden, trägt die Vermittlung der Realität der wachsenden Zahl von Frauen, Kindern und Familien auf der Flucht dazu bei, dass ihre Bedürfnisse sichtbar bleiben und die Solidarität über die Grenzen hinweg fortbesteht.

 Célia Prével (Refugee Women’s Centre. RWC
Übersetzt aus dem Englischen)

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Erinnerungskoffer erst im September

Der Start des Projekts „Erinnerungskoffer – Die Gesichter meines Zuhauses“, das speziell für Kinder und Jugendliche konzipiert wurde, musste vom ursprünglich geplanten Termin auf die Zeit vom 8. September bis 15. Dezember verschoben werden – immer dienstags von 16:30 Uhr bis 19:30 Uhr.

Aufgrund der kurzen Anmeldezeit gab es für den ursprünglich geplanten Termin vor den Sommerferien nicht die erforderliche Zahl an Anmeldungen. Deshalb haben wir den Termin auf nach den Sommerferien verschoben. Die zusätzliche Vorlaufzeit bietet nun die Möglichkeit, dieses besondere Bildungs­projekt noch bekannter zu machen und weitere junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gewinnen.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die kreative Auseinandersetzung mit den Themen Heimat, Identität und persönliche Erinnerungen. Kinder und Jugendliche – mit und ohne Migrations­geschichte – setzen sich auf vielfältige Weise mit ihrer eigenen Lebenswelt auseinander. Dabei entstehen Geschichten, Gedichte, Texte, kreative Arbeiten und kleine Theaterszenen, die zeigen, was „Zuhause“ für jeden Einzelnen bedeutet. So wird ein gemeinsamer „Erinnerungskoffer“ gestaltet, der die Vielfalt der Erfahrungen und Erinnerungen der jungen Menschen sichtbar macht.

Besonders erfreulich ist, dass die Stadt Aachen dieses wichtige Bildungsprojekt trotz der aktuellen Budgetsperre weiterhin unterstützt.

Dafür bedanken wir uns herzlich. Diese Unterstützung ist ein wertvolles Zeichen für die Förderung von Kindern und Jugendlichen sowie für die kulturelle Bildungsarbeit in unserer Stadt.

Wir bitten alle Leserinnen und Leser herzlich, diese Information an Familien, Schulen, Jugendeinrichtungen, Vereine und alle Interes­sierten weiterzugeben. Mit Ihrer Unterstützung kann das Projekt viele Kinder und Jugendliche erreichen und im September erfolgreich starten.

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Internetseite des Aachener Netzwerks unter „Erinnerungskoffer – Die Gesichter meines Zuhauses“.

Giana Haass

Cvetin – auch beim Erinnerungskoffer dabei

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Bina Mira 2026 – Die Bühne des Friedens geht neue Wege

Seit 2008 steht „Bina Mira – Bühne des Friedens“ für Begegnung, Verständigung und den Glauben daran, dass Frieden dort entsteht, wo Menschen miteinander ins Gespräch kom­men – unabhängig von Herkunft, Kultur, Religion oder Nationalität. Theater war dabei immer unser gemeinsames Ausdrucksmittel, das Brücken gebaut und Begegnungen ermöglicht hat.

In diesem Jahr wird Bina Mira jedoch anders aussehen als bisher. Aufgrund begrenzter finan­zieller Mittel und terminlicher Überschnei­dungen können wir das internationale Friedenstheaterfestival leider nicht in seiner gewohnten Form durchführen. Nicht alle Theatergruppen werden in diesem Jahr teil­nehmen können.

Für uns war dennoch schnell klar: Bina Mira darf 2026 nicht ausfallen!

Nachdem wir im vergangenen Jahr unsere ursprüngliche Planung kurzfristig ändern mussten, möchten wir gerade jetzt ein Zeichen setzen – für Dialog, Zusammenhalt und Frieden. Deshalb entwickeln wir Bina Mira weiter und öffnen das Projekt für neue Formen der Begegnung.

Vom 18. bis 23. September 2026 wird Bina Mira in Aachen als Kulturveranstaltung statt­finden. Geplant sind Theateraufführungen, Musik, Konzerte, Workshops und gemeinsame Begegnungen – und vor allem ein neues Herz­stück unseres Programms.
Am 21. 9., dem Internationalen Weltfriedenstag, soll Bina Mira den jungen Menschen gehören. Wir möchten ihnen Raum geben, ihre Gedanken, Erfahrungen und Visionen für ein friedliches Miteinander mit uns zu teilen.

Unter dem Titel „Frieden beginnt bei mir – Wie lösen wir Konflikte ohne Gewalt?“ möchten wir Jugendliche und junge Erwachsene aus Aachen, der Region und unseren interna­tiona­len Partnerländern zu einer offenen Dialog­tribüne einladen.

Gemeinsam mit einer Moderatorin, einer/m Jugendpsychologin und einem/r Sozial­arbeiterin möchten wir einen offenen Dialog ermöglichen.

Im Mittelpunkt stehen die Stimmen der jungen Generation: Was bewegt sie? Welche Ängste und Hoffnungen tragen sie in sich? Was bedeutet Frieden für sie – im Alltag, in Europa und in einer Welt voller Krisen? Und wie können wir gemeinsam dazu beitragen, Konflikte respektvoll und gewaltfrei zu lösen?

Wir wollen die jungen Menschen zu Wort kommen lassen.

Ihre Stimmen sind entscheidend für die Zukunft. Wir möchten ihre Gedanken, Wünsche und Ideen hören – und gemeinsam überlegen, wie wir unsere Gesellschaft friedlicher, offener und toleranter gestalten können.

Am 21. September, dem Internationalen Weltfriedenstag, soll die Bühne des Friedens den jungen Menschen gehören. Wir möchten ihnen Raum geben, ihre Gedanken, Erfahrungen und Visionen für ein friedliches Miteinander zu teilen und gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen, wie Konflikte im Alltag respektvoll und gewaltfrei gelöst werden können. Im Mittelpunkt stehen der offene Dialog, gegenseitiges Zuhören und die Über­zeugung, dass Frieden bei jedem Einzelnen beginnt. Aus den Gedanken und Ideen der Teilnehmenden kann zum Abschluss eine gemeinsame Friedensbotschaft oder ein Plakat entstehen – als sichtbares Zeichen der Begegnung und des gemeinsamen Austauschs.

Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck am Programm für Bina Mira 2026. Auch wenn das Festival in diesem Jahr ein anderes Gesicht haben wird, bleibt seine Botschaft dieselbe:

Frieden entsteht durch Begegnung.

Wir freuen uns sehr, wenn Sie und Ihr unsere Theateraufführungen, Konzerte, Workshops und insbesondere die Dialogtribüne am Welt­friedenstag besuchen und gemeinsam mit uns ein sichtbares Zeichen für Frieden setzen.

Cvetina Anicic (Ideengeber der Dialogtribüne)
Giana Haass (Projektkoordination Bina Mira 2026)

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Hilfstransport nach Bosnien

Paulin Liekenbrock ist Gründerin des Vereins FocusHuman e.V. aus Rheda-Wiedenbrück. Schon vor zwei Jahren haben wir zusammen einen Hilfstransport orga­ni­siert. Jetzt war es wieder so weit:/

Am 23. Juli brachen wir von Gütersloh aus auf und legten insgesamt 1300 Kilometer durch Österreich, Slowenien und Kroatien zurück, bevor wir schließlich am Donnerstag, den 25. Juli, in unserem Ziel Bihać eintrafen.

Die Reise begann jedoch mit unerwarteten Schwierigkeiten. Aufgrund von „weniger Ladung als angegeben“ wurden wir an der Grenze zu Bosnien stark kontrolliert und boshaft behandelt. Kim und Pascal mussten dabei ganz alleine mit Mohammed den Truck ausräumen, da sie keine Erlaubnis zum Telefonieren erhielten. Während dieser Kontrolle wurden Pampers für Damen gefunden, was dazu führte, dass das Gesundheitsamt hinzugezogen wurde. Man vermutete, wir seien Schmuggler.

In Bihać angekommen, arbeiteten wir mit der Organisation Merhamet zusammen und luden unsere Spenden, die unter anderem Spielsachen, Bücher, Bekleidung, Möbel und Babysachen umfassten, gemeinsam mit den Mitarbeitern aus. Diese Spenden werden an die Familien verteilt, die sie am dringendsten benötigen. Der 70-jährige Leiter der Organisation, Fidrec, hatte im Bürgerkrieg den Widerstand geführt und engagiert sich nun dafür, dass armutsbetroffene Menschen ausreichend Nahrung erhalten. Vor Ort wird viel Gemüse und Obst angebaut und in einer Großküche verarbeitet, sodass täglich bis zu 300 Mahlzeiten zubereitet werden können. Es bestehen Kapazitäten, um bis zu 800 Mahlzeiten zu schaffen, jedoch fehlt es leider an geeigneten Ländereien und finanziellen Mitteln für den Anbau.

In unserer Unterkunft wurden wir von den Mit­arbeiterinnen liebevoll umsorgt. Die be­son­dere Gastfreundschaft und herzliche und hilfsbereite Art der Menschen dort sind uns besonders in Erinnerung geblieben. Mohammed unterstützte uns tatkräftig, besonders beim Dolmetschen und den bürokratischen Angelegenheiten. Er arbeitet beim Fernsehen und hatte bereits einen Beitrag über unsere Aktion vorbereitet.

Am Samstag gönnten wir uns eine Auszeit und erkundeten die Stadt. Am Sonntag setzten wir unsere Reise nach Velika Kladusa fort, wo wir eine Frauenrechtsorganisation besuchten, die von Zehida geleitet wird. Sie setzt sich vehement für die Rechte der Frauen ein und kämpft gegen patriarchale Strukturen. Zudem hat sie eine Kindertagesstätte in einem Brennpunkt eröffnet, in der den Kindern spielerisch vermittelt wird, wie wichtig ein friedliches Miteinander ist und dass jeder Mensch unabhängig von Geschlecht und Religion gleichberechtigt ist. Es ist ihr ein besonderes Anliegen, präventiv zu arbeiten, damit sich die düstere Geschichte nicht wiederholt.

Zehida steht in engem Kontakt zu einem Frauenhaus und unterstützt Frauen dabei, gewaltsame Ehen hinter sich zu lassen. Bei unserem Gespräch erzählte sie uns, dass ihre Arbeit oft politisch nicht gewünscht ist und sie deshalb schon mehrfach vor Gericht stand. Man versuchte, ihr kleine Straftaten anzuhängen, die mit unverhältnismäßig hohen Haftstrafen bedroht waren. Glücklicherweise wurde sie bis jetzt meist freigesprochen.

Es war ein äußerst eindrucksvolles Gespräch mit ihr. Vor Ort wird sehr deutlich, wie stark die Menschen unter den Folgen des Krieges und dem instabilen System leiden. Sie sind über jede Art von Unterstützung und Spende dankbar.

Pauli Liekenbrock

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10 Jahre „Möbel und mehr“

Manchmal muss man nur eine Idee haben. Manchmal muss man es nur probieren. Und dann sieht man, ob es funktioniert oder nicht. Wenn es funktioniert, war die Idee gut.

Am 8. Juni 2016 kam ich auf die Idee, eine WhatsApp-Gruppe zu gründen, um Leute, die „Möbel und mehr“ übrig haben mit denen zusammen zu bringen, denen noch etwas fehlt. Was meistens der Fall ist, wenn man gerade erst nach Deutschland gekommen ist.

So wurden in den ersten Jahren viele Menschen aus Syrien und Afghanistan Mitglied der Gruppe, später viele aus der Ukraine. Es kommen immer noch neue Mitglieder dazu, andere steigen aus. Im Moment liegt die Mitgliederzahl bei beachtlichen 434.

Angeboten wird alles, was bei einem Umzug, einem Neukauf oder auch bei einem Sterbefall übrig bleibt: Küchen, Waschmaschinen, Sofas, Tische, Stühle, Kaffeemaschinen, Staubsauger, Bilder, Geschirr, Besteck.

Heute im Angebot

Mehrere Administrator*innen kümmern sich darum, dass die Gruppenregeln streng ein­gehalten werden:
– Wir schreiben auf Deutsch, da dies unsere gemeinsame Sprache ist.
– Wir bleiben immer höflich.
– Wir schreiben unseren Namen ins Profil, damit jeder weiß, mit wem wir schreiben.
– Alles hier ist kostenlos.
– Weiterverkauf ist nicht gestattet.
– Normalerweise gilt: Wer sich zuerst meldet, bekommt den Zuschlag.

Nachrichten in fremden Sprachen werden sofort gelöscht. Werbung für Bitcoins, aber auch für Musikunterricht o.ä. führen zum sofortigen Ausschluss aus der Gruppe.

Das hat sicher zum Erfolg der Gruppe bei­getragen.

Viel wichtiger ist aber natürlich das Engagement mehrerer, die sich immer wieder um Angebote und manchmal auch um deren Transport kümmern.

Helmut Hardy

Karin Feldmann

In den 10 Jahren habe ich viele nette Leute kennengelernt, wurde unzählige Male zum Essen oder zum Tee eingeladen und es sind so einige langjährige Beziehungen ent­standen.

Christine Weber

Wann immer ich denke, dass etwas zum Wegwerfen zu schade ist, weiß ich, dass irgendjemand es dringend benötigt.

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Deutsch sprechen

Ähnlich lange wie die WhatsApp-Gruppe „Möbel und mehr“ gibt es auch die WhatsApp-Gruppe „Deutsch sprechen“. Diese Gruppe trifft sich aber auch ganz real: mal privat, mal im Welthaus; mal wöchentlich, mal vierzehntägig.

Abdoul bei der Arbeit im Garten

Schon in unserem allerersten Rundbrief haben wir darüber berichtet. Die damaligen Teil­nehmer*innen können mittlerweile alle Deutsch und haben teilweise die deutsche Staats­ange­hörigkeit. Im Jahr 2022 bestand die Gruppe fast nur aus Ukrainerinnen, später auch aus Ukrainern, Menschen aus Afghanistan, dem Libanon, Myanmar, Togo, Türkei, Pakistan, Sambia, Syrien,…

Schwerpunkt ist nicht, 100%ig korrekt Deutsch zu sprechen. Manchmal werden Grammatik­fehler diskutiert, manchmal die richtigen Worte gesucht – aber immer geht es um inhaltliche Fragen: Welche Sprachenschule ist die beste? Wo kann ich schwimmen gehen? Wie viele Sprachen gibt es in Sambia? Wie verhalten sich die Franzosen in Togo?

Und manchmal wird es fast intim: Wie lernen sich Paare in Deutschland kennen? Was wird erwartet? Was ist erlaubt, was ein NoGo?

Irina und Zuhoor

Zur Zeit hat die WhatsApp-Gruppe 113 Mit­glieder, wovon meist 5 bis 10 kommen.

Nicht immer wird nur gequatscht. Manchmal wird auch gegrillt, wir gehen ins Kino oder essen Eis. Und ein Mal im Jahr kümmern wir uns um den Wildwuchs im Garten des Welthauses.

Helmut Hardy

Was sagen die Teilnehmer*innen über die Gruppe „Deutsch sprechen“?

Zuhoor Safi

Ich schätze die Gruppe sehr, weil man dort keine Angst vor Grammatikfehlern haben muss und wir uns in einer vertrauten Atmos­phäre über alles Mögliche aus­tauschen können und bei Aktivitäten wie Grillen oder Kinobesuchen jede Menge Spaß haben.

Weil wir dort nicht nur die Sprache üben, sondern auch viel über die Kulturen der anderen lernen und wie echte Freunde zusammenwachsen.

Liliia Bestuzheva

Ich mag die Gruppe, weil die Atmosphäre sehr freundlich ist und man ohne Angst Deutsch sprechen kann. Ich habe gelernt, dass Fehler zum Lernen gehören und dass Sprache Menschen verbindet.

Helmut hilft uns außerdem immer mit viel Geduld und Engagement, zum Beispiel bei der Vor­bereitung auf Prüfungen, beim Schreiben von Bewerbungen oder im Umgang mit deutschen Behörden. Man spürt, dass ihm die Menschen wirklich am Herzen liegen. Und wenn wir uns bei ihm zu Hause treffen, verwöhnt er uns mit seinen selbst gebackenen Kuchen. Das macht die Gruppe zu etwas ganz Besonderem.

Janny Nyendwa

Ich habe die Gruppe über das Kommunale Integrationszentrum kennengelernt, als ich wirklich Deutsch lernen wollte. Am Anfang war es sehr schwer für mich. Ich konnte mir nicht vorstellen, mit anderen Menschen zu sprechen, obwohl ich kaum Deutsch konnte. Die Gruppe hat mir die Möglichkeit gegeben, viele verschiedene Kulturen kennenzu­lernen. Alle sind sehr freundlich, und ich habe dort eine neue Familie gefunden.

Mustafa Khallouf

Ich erinnere mich noch gut an die ersten Treffen „Deutsch sprechen“. Für mich waren sie viel mehr als eine Möglichkeit, Deutsch zu üben. Dort habe ich Menschen kennen­gelernt, die sich ehrlich für uns interessiert haben und mit denen ein echter Austausch entstanden ist. Es ging nicht nur um Grammatik oder neue Wörter, sondern darum, gemeinsam Zeit zu verbringen und von­einander zu lernen.

Rückblickend wird mir bewusst, dass genau das die besondere Stärke dieser Treffen war. Sie haben Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammengebracht und Berüh­rungs­ängste auf beiden Seiten abgebaut.

Mohammed Jeha

Das waren tolle „Deutsch sprechen“-Treffen, damals! Fast 10 Jahre her. Sehr nette Atmosphäre, interessante Gespräche und eine gute Möglichkeit, Deutsch zu üben.

Die Gesprächsthemen waren sehr abwechs­lungsreich. So konnte ich meinen Wort­schatz erweitern und mein Deutsch sehr verbessern.

Su Su Htwe

Ich habe die Gruppe „Deutsch sprechen“ durch einen Freund in der Stadtbibliothek Aachen kennengelernt. Wir treffen uns einmal pro Woche und sprechen über verschiedene Themen. Für mich geht es dabei nicht nur darum, mein Deutsch zu verbessern, sondern auch neue Menschen kennenzulernen. Das hilft mir, mich in Deutschland besser zu integrieren, denn ich finde es nicht einfach, lange Zeit fern von der Heimat zu leben. Ich bin sehr dankbar, dass es diese Gruppe gibt.

Ein herzliches Dankeschön auch an Helmut, der die Gruppe schon so lange mit viel Engagement leitet.

Özge Baş

Ich mag die Gruppe sehr, weil ich hier nicht nur Deutsch sprechen und lernen kann, sondern auch Menschen aus verschiedenen Kulturen kennenlerne. In der Gruppe habe ich erlebt, dass gegenseitige Unterstützung und Zusammenhalt auch heute noch selbstverständlich sein können. Dadurch habe ich mich weniger allein gefühlt.

Für mich ist diese Gruppe nicht nur eine Hilfe beim Deutschlernen, sondern auch eine große Unterstützung, um die Kultur besser zu verstehen und mich in Deutschland zu integrieren. Ich bin sehr dankbar, dass ich Teil dieser Gruppe sein darf.

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Dabei sein ist (fast) alles:
Infostände des Aachener Netzwerks

Präsenz zeigen, sich kennenlernen, aus­tauschen, vernetzen… – als das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit beim Aachener Netzwerk. Und so waren wir in diesem Sommer sehr aktiv in Aachen unter­wegs.

Vier wichtige Termine gab es in der kurzen Vorferienzeit von Ende Mai bis Anfang Juli, und bei allen Terminen waren wir mit unserem Infotisch vor Ort präsent:

Am 30. Mai bei „Aachen zeigt Engagement“, kurz „Ehrenamtstag“ im Stadtpark, am 21. Juni beim „Fest der kulturellen Vielfalt“, kurz Multikulti-Fest, im Kennedypark, am 27. Juni beim Weltfest im Welthaus und am 4. Juli bei der „Langen Tafel der Vielfalt“ auf dem Katschhof zwischen Dom und Rathaus. Immer in Zusammenarbeit mit Julia und ihrem Verein „Deutsche Perspektive“ für Ukrainer in Aachen.

Im Kennedypark

Es war eine kleine Herausforderung, die dicht hintereinander liegenden Termine mit Personal zu besetzen, aber wie immer konnten wir auf unsere MitgliederInnen vor Ort zählen! Vielen Dank an Angeliki, Cvetin, Giana, Helmut, Julia, Meri, Monika, Özge, Ralf, Zuhoor.

Insgesamt hatten wir viel Spaß, viel Austausch, neue Mitglieder wurden geworben, viele Flyer verteilt und es gab auch zahlreiche Kontakte mit LokalpolitikerInnen und anderen Multipli­katoren. Unsere einzigen „Gegner“ waren die starke Sonne, die Hitze und der Wind.

Ralf Wuppermann

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Winterhilfe 2026/2027 geplant

Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit plant das Aachener Netzwerk auch in Aachen un­mittelbare Hilfe: Obdachlose und bedürftige Menschen sollen mit warmen Mahlzeiten, heißem Kaffee/Tee und/oder mit wetterfester Kleidung oder Schlafsäcken unterstützt werden. Ziel der Initiative soll es sein, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen und ihnen nicht nur praktische Hilfe, sondern auch ein Stück Menschlichkeit und Aufmerk­samkeit zu schenken.

Der Start der Winterhilfe ist für die Wintersaison 2026/2027 geplant. Bis dahin laufen die Vorbe­reitungen, damit möglichst viele Menschen rechtzeitig erreicht und unterstützt werden können.

Damit dieses Angebot erfolgreich umgesetzt werden kann, werden engagierte Helfer*innen gesucht. Ob bei der Essensausgabe, der Organisation von Kleiderspenden oder in der Logistik – jede helfende Hand ist willkommen. Auch Menschen, die sich nur gelegentlich engagieren können oder dieses Projekt finanziell unterstützen möchten, leisten einen wertvollen Beitrag.

Wenn Sie Interesse haben in diesem Projekt mitzuwirken, wenden Sie sich gerne an Dirk.Tentler@aachener-netzwerk.de.

Dirk Tentler

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Übersetzer-Pool

Viele, die neu nach Deutschland kommen, sprechen kein oder wenig Deutsch. Das erschwert natürlich den Besuch bei Behörden oder Hilfsorganisationen. Deshalb erreichen uns immer wieder Anfragen wie diese: „Ihr kennt nicht zufällig jemanden, der Französisch spricht und am Montag und Dienstag Zeit hätte, zwei nette Herren (einer davon sucht Asyl) bei der Fahrt zur Botschaft nach Berlin als Dolmetscher zu begleiten? Es ist etwas dringend und wir haben bisher niemanden gefunden.“

Klingt eigentlich einfach. Viele können doch Französisch. Aber sich mal eben zwei Tage frei zu machen, ist nicht ganz so einfach.

Und wie sieht es dann erst aus, wenn es sich um eine etwas seltenere Sprache handelt?

Unser Gedanke: Wir bauen einen Pool auf von Leuten auf, die ehrenamtlich übersetzen würden. Auf diesen Pool können dann Vereine und Gruppen bei Bedarf zugreifen und diese Leute fragen, ob sie bereit wären, zu helfen. Natürlich hat nicht jede*r immer Zeit – und schon gar nicht mehrmals die Woche. Alles ist freiwillig und „Nein“ sagen vollkommen okay.

Was erwarten wir von den Übersetzern:
– gute Deutschkenntnisse (Niveau B2 – C2)
– absolute Vertraulichkeit
– bei Umgang mit Minderjährigen ein erweitertes polizei­liches Führungszeugnis

Wir erwarten keine professionelle Ausbildung zum/zur Dolmetscher*in/Übersetzer*in.

Leider können wir für die Übersetzungseinsätze kein Honorar bezahlen. Aber wenn Kosten entstehen, werden wir uns bemühen, diese nach vorheriger Absprache zu erstatten.

Interessiert zu helfen? Hier geht’s zum Anmeldeformular.

Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt gerne an: Uebersetzerpool@Aachener-Netzwerk.de.

Und wenn ihr jemanden kennt, der oder die sich am Übersetzer-Pool beteiligen möchte, leitet ihm bzw. ihr unsere Infos bitte weiter.

Elisabeth Schomacher ist unsere Projekt­koordi­natorin und wird sich bemühen, alle Unklar­heiten zu beseitigen.

Helmut Hardy

Tetyana Lutsyk
Bischöfliches Generalvikariat Aachen

Ich wäre brennend daran interessiert, diese Idee mit aufzubauen. Es ist zwar ein spezieller Bereich, aber es kann sich auch entwickeln. Daher lasst uns bei guter Gelegenheit noch darüber sprechen. Wir brauchen immer mehr Mehrsprachigkeit. Daher mein Kommentar dazu: Eine sehr gute Idee.

Walter Brüsseler
Aidshilfe Aachen e.V.

Manche Klienten unserer Beratungsstelle verstehen die neuesten Entwicklungen in Sachen Therapie und Prävention aufgrund von Sprachbarrieren nicht. Allgemein sind viele Menschen aufgrund von Sprach­bar­rie­ren von sozialer Teilhabe und der Inan­spruchnahme von Rechten und ihnen zuste­henden gesetzlich geregelten Leistungen ausgeschlossen. Dem kann mit der Zurverfügungstellung von Dolmet­schern/Sprachmittlern entgegen gewirkt werden.

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