Rundbrief 59 – November 2025

Inhalt:

Kurz vor Jahresschluss

Die Tage werden kürzer, der erste Schnee ist gefallen, der erste Glühwein getrunken.

Und wir schauen, wie immer am Ende eines Jahres, gerne zurück und noch lieber nach vorne.
Unser Projekt HEJ ist und bleibt einfach wunderbar. Wir sind im Frühjahr 2022 gestartet und es hat sich etabliert. „Etabliert“ klingt etwas negativ. Aber wer den Spaß der Kinder sieht und ihre Erfolge beim kreativen Arbeiten und im Sport, und das seit 3,5 Jahren, der liest „etabliert“ vielleicht etwas anders. Leider drückt uns bei diesem Projekt finanziell etwas der Schuh – dazu mehr in einem eigenen Artikel.
In Ergänzung zu Ihren und Euren Spenden versuchen wir auch, durch unsere jährliche Kunstauktion etwas Geld in unsere Projekt­kassen zu spülen. Auch damit haben wir im Frühjahr 2022 angefangen, auch dieses Projekt ist mittlerweile etabliert bzw. nach rheinischen Kriterien sogar Tradition.

Manche Projekte benötigen nicht viel Geld, sondern nur ein gutes Netzwerk und guten Willen. So konnten wir innerhalb von zwei Tagen einen Rollstuhl für eine bedürftige, krebskranke Frau in Bosnien organisieren. Etwas, dass uns schon etwas stolz macht.
Stolz sind wir auch auf viele Aktionen, die unsere Mitglieder außerhalb unseres Vereins machen. So auch auf Dorothee Schack, die dieses Jahr am Marš mira, zu Deutsch Marsch für den Frieden (vielleicht besser Wanderung für den Frieden) teilgenommen hat. Trotz des ernsten Hintergrundes kam dabei auch der Spaß nicht zu kurz.

Spaß werden wohl auch viele Kinder am Nikolaustag haben. Auch diese Feier veranstalten wir schon seit 2022, also zum vierten Male. Leider, muss man eigentlich sagen, denn der Krieg in der Ukraine dauert immer noch an.

Kinder sind es oft, die im Krieg am meisten leiden. Noch mehr leiden Kinder, die sowieso schon ein Handicap haben. Zusammen mit zwei befreundeten Vereinen starten wir ein Hilfsprojekt für an Diabetes leidende Kinder in der Ukraine. Wir werden Medikamente und Hilfsmittel besorgen, teilweise in Deutschland, teilweise in der Ukraine, und über unseren ukrainischen Partnerverein zu den Betroffenen bringen – Hilfe, die ankommt.

Naja, ihr ahnt es schon, Sie ahnen es schon, wir kommen wieder zum Anfang zurück: Es geht nicht ohne Geld. Deshalb bitten wir um eure und Ihre Spenden und freuen uns über jeden Betrag, der auf unserem Konto ankommt. Denn er wird gebraucht, dringend.

Vor dem zweiten Glühwein, dem Besuch des Weihnachtsmarktes, dem Kauf von Geschen­ken, den (hoffentlich) ruhigen Weihnachtstagen, die wir uns und euch/Ihnen wünschen, möchten wir Danke sagen. Danke für die Unterstützung unseres Vereins und unserer Projekte. Danke für die vielen kleinen und größeren Spenden, danke für die gespendete Zeit, danke für das Mitdenken und Netzwerken.

Frohe Weihnachten!

Dirk, Giana, Helmut, Julia und Mujo – Der Vorstand des Aachener Netzwerks

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Gemeinsam gegen Diabetes

Jan van Egmond ist Niederländer, wohnt in Winterberg und ist dort bei Kipepeo aktiv. Natürlich ist er auch Mitglied beim Aachener Netz­werk. Mehrfach war er in der Ukraine, auch in Lviv, wo Gora Dobra – Berg des Guten aktiv ist – mit ihnen arbeitet Kipepeo seit mehre­ren Jahren aktiv zusammen.

Zusammen möch­ten wir, Gora Dobra, Kipepeo und das Aachener Netz­werk, nun ein tolles, neues, langfristiges Projekt starten. Es geht um Diabetes.

Ungefähr 1,3 Millionen Diabetes­patienten gibt es in der Ukraine, davon alleine circa 15.000 Kinder mit Typ 1 Diabetes.

Die Ukraine leidet unter dem Krieg. Der Krieg kostet Geld, viel Geld, und Ressourcen. Dadurch leidet natürlich auch das Gesund­heits­system – es fehlt an allen Ecken und Enden.

Diabeteskranke Kinder leiden mehrfach:

An Krieg und Zerstörung, an Vätern, die an der Front, getötet oder verwundet worden sind, an überlasteten Müttern, an ihrer Diabetes-Krankheit – und auch an unzulänglicher Ver­sorgung.

An dem Krieg und seinen Folgen können wir Vereine nur wenig ändern, aber wir werden uns bemühen, die Versorgung der Diabetes-kranken Kinder zu verbessern.

Auch wenn der Krieg früher oder später vorbei sein wird, wird es weiterhin einen Mangel in der Versorgung der Kinder geben – deshalb ist unser Projekt längerfristig ausgelegt.

Was wird benötigt?
– Insulinprodukte, insbe­sondere Insulinanaloga
– Hilfsmittel zur Insulin­gabe: Pens, Insulin­pum­pen, Ka­theter, Nadeln, …
– Messgeräte:
Teststreifen, Blut­zuckermess­geräte und Geräte zur automatischen und kontinuierlichen Glukose­messung
– Süße Lebensmittel, die bei Unterzuckerung (niedri­gem Blutzuckerspiegel) helfen: Trauben­zucker, Schokolade, Gummibärchen, Trocken­früchte

Was wir tun können?
– Wir sammeln Sach­spenden von Privat­personen und Firmen. Dabei müssen wir auf­passen, welche Medika­mente und Hilfsmittel in der Ukraine gebräuchlich sind.

– Mit Hilfe von Geld­spen­den besorgen wir Hilfsmittel in Deutschland und der Ukraine.

– Wir bringen diese in die Ukraine, wo sie dann von Gora Dobra und weiteren Partner­organi­sationen an betroffene Kinder verteilt werden.

 

Was kannst Du tun? Was können Sie tun?
– Spende uns Medikamente und Hilfsmittel!
oder
– Helfen Sie uns, damit wir Medikamente und Hilfsmittel kaufen können!
Spendenkonto:
Aachener Netzwerk
IBAN: DE21 3905 0000 0000 3170 08
BIC: AACSDE33
Verwendungszweck: Diabetes

Dr. med. Angeliki Pappa

Das deutsche Gesundheitssystem versorgt ca. 37.000 Kinder und Jugendliche, die an Typ 1 Diabetes leiden. Wir Ärztinnen und Ärzte wissen, dass diese Erkrankung eine tägliche Bürde ist, weil zu keiner Mahlzeit und zu keiner Tageszeit die Therapie ausgelassen werden darf.

Die Sorge darum, ob genügend Medikamente und Hilfsmittel zur Verfügung stehen, verschlechtert die psychische Situation noch zusätzlich und damit auch die Gesundheit der Kinder, Jugendlichen und der gesamten Familie.

Eine gute Versorgung mit Insulin und Hilfs­mitteln zu gewährleisten, ist ein elementarer Baustein für die Therapie und das Wohl­ergehen dieser Menschen.

Dr. med. Angeliki Pappa
Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
im Universitätsklinikum RWTH Aachen
Mitglied im Aachener Netzwerk

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Kunstausstellung und -auktion

Anfang November war wieder unsere jährliche Kunstausstellung mit anschließender Kunst­auktion. Dieses Jahr waren 48 Künstler­innen und Künstler mit 78 Kunstwerken ver­treten.

Wir starteten mit einer Vernissage am Sonntag, den 2. November. Um 15 Uhr fanden viele Besucher den Weg in unsere Ausstellung. Ukrainische Musik ertönte und kühle Getränke wurden gereicht. Viele Künstler*innen waren anwesend, schauten nach, wo ihre Kunstwerke hingen, kamen miteinander und mit den anderen Gästen ins Gespräch.

Nachdem das Musiker-Duo OkoOka, Oleksandr und Oksana Bohdan, ihren Auftritt beendet hatten, begann der kurze formale Teil. Dazu gehörte, natürlich, der Dank an alle Beteiligten:
– die Künstlerinnen und Künstler, die sich in den Dienst der guten Sache stellen
– die zahlreichen Helferinnen und Helfer, die alles vorbereitet hatten
– die Jury, die unter den 78 Kunstwerken 25 für die Auktion ausgewählt hatte
– und auch die Schirmherrin, die zu diesem Zeitpunkt seit rund 39 Stunden ehemalige Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen, die daraufhin das Wort bekam.

Sie hob ihre lange Geschichte mit dem Aachener Netzwerk hervor: Am 1. November 2020 hat sie unsere Ausstellung „Menschen­rechte an den Außengrenzen der Europäischen Union“ in der CityKirche eröffnet – ihre erste Amtshandlung als Oberbürgermeisterin. Vier Mal war sie danach Schirmherrin unserer Kunstauktion – und, soviel sei verraten, sie wird 2026 auch bei unserer fünften Kunstauktion Schirmherrin sein.

Natürlich ist sie, u.a. als ehemalige Leiterin der Bleiberger Fabrik, dem kulturellen Bereich besonders verbunden. Wie gut sie in diesem Bereich vernetzt ist, war bei der Vernissage gut zu spüren.

Nach ihren Dankesworten konnten die unterbrochenen Gespräche fortgeführt werden, unterlegt von ruhiger Gitarrenmusik, flankiert von weiteren Getränken.

An den Tagen nach der Vernissage gab es die Gelegenheit, die Kunstwerke in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Jeden Tag wurde der Ausstellungsraum von 15 bis 20 Uhr geöffnet und betreut.

Noch sind ein paar Plätze frei

Nach der einwöchigen Ausstellung war der Tag der Kunstauktion gekommen. Am Sonntag, den 9. November, konnten die 25 ausgewählten Kunstwerke ersteigert werden. Die hierzu aufgestellten 50 Stühle waren um 15 Uhr restlos besetzt. OkoOka hatte wieder einen kurzen Auftritt, bevor Dr. Annette Lagler die Moderation des Tages übernahm.

In einem kurzen Zwiegespräch versuchte sie, Helmut Hardy kurze Antworten zum Aachener Netzwerk, der Kunstauktion und den Projekten des Vereins zu entlocken. Das „Entlocken“ war nicht schwer, allerdings klappte es mit dem „kurz“ nicht immer.

Benjamin Fleig

Dann kam die große Stunde des Auktionators Benjamin Fleig. Als Mann vom Fach pries er alle Kunstwerke als die einmaligen Einzelstücke an, die sie auch sind. Alle unterschiedlich in Technik, Größe und Ausführung, aber alle einzigartig.

Wir danken den Künstlern dafür, dass sie auch dieses Mal durch den Verkauf oder die Versteigerung ihrer Kunstwerke das Aachener Netzwerk unterstützen. Unsere Projekte freuen sich!

Und auch die Käufer freuen sich über die Bilder, Skulpturen, Fotos, Grafiken und Zeichnungen, die ihren Weg in neue Hände (und an neue Wände) gefunden haben.

Helmut Hardy

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Was sagen die beteiligten Künstler*innen?

Brigitte Erm

„Soziale Projekte sind nicht auf Rosen gebettet – Künstler*innen aber auch nicht.“

Dieses Zitat von der Homepage des Aachener Netzwerks bringt es auf den Punkt.

Die Idee dieser Kunstauktion ist eine Bereicherung für beide Seiten: ein großer Einsatz für die gute Sache – und die Bekannt­machung von Kunstwerken in beeindruckender Vielfalt.

Getragen wird das Ganze vom engagierten Team des Aachener Netzwerks, besonders von Helmut Hardy und dem wertschätzenden Auktionator, Benjamin Fleig.

Herzlichen Dank – im nächsten Jahr bin ich gerne wieder dabei!

Brigitte Erm

Monika Petschnigg

Vielen herzlichen Dank für die gute Kooperation mit dem Aachener Netzwerk bei der Auktion und Ausstellung im Aachener Depot.

Ich habe sehr gerne daran teilgenommen, weil ich die Arbeit des Aachener Netzwerks sehr schätze. Heinz Jussen und seine Aktivitäten kenne ich seit vielen Jahren. Wir haben gemeinsam in den Siebzigern in Aachen studiert und ich verfolge seitdem seine bzw. eure Hilfsaktionen.

Ich wünsche dem Netzwerk weiterhin Erfolg bei der wichtigen Arbeit in dieser unruhigen, un­sicheren Zeit.

Monika Petschnigg

Achim de la Haye

Helfenden soll man helfen

Die Not (nicht nur) in Europa ist manchmal unvorstellbar, es fehlt oft an den Basics.

Ich freue mich, dass die Auktion – nun schon zum vierten Male – immer mehr Anklang findet und viele Werke versteigert wurden.

Die beteiligten Kunstschaffenden haben ihre Werke oft unter Marktpreis angeboten, um einen zusätzlichen Kaufanreiz zu bieten.

Ein sehr unterstützungswürdiges Projekt.

Achim de la Haye

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Ein großes Netzwerk hilft

Mersiha Krivdic ist Bosnierin und schon lange in Deutschland. Wie viele Bosnier*innen ist sie aber noch oft in der alten Heimat. Und sie tanzt bosnische Folklore. Damit beginnt ihr Geschichte:

Ich möchte heute eine Geschichte mit euch teilen, die mich tief berührt hat und die zeigt, wie kraftvoll echte Menschlichkeit und Zusammenhalt sein können.

Zwei Tage vor meiner Reise zu einem Folklore-Festival nach Sarajevo erreichte mich ein Hilferuf einer Freundin. Es ging um eine Familie in Bosnien. Die Mutter der Familie kämpft erneut gegen den Krebs und befindet sich mitten in der Therapie. Ihr gesundheitlicher Zustand hat sich so verschlechtert, dass sie nicht mehr selbstständig ins Krankenhaus gelangen kann – sie braucht dringend einen Rollstuhl.

Ihr Ehemann, selbst gesundheitlich ange­schlagen und nicht mehr so stark wie früher, hat sie bislang liebevoll auf Händen getragen, ins Auto gesetzt und begleitet. Doch nun schafft auch er es körperlich nicht mehr. Die beiden standen mit dieser Situation vollkommen allein da.

Also habe ich montags im Aachener Netzwerk einen Aufruf gestartet — einfach in der Hoffnung, dass vielleicht jemand jemanden kennt, der helfen kann. Und dann geschah etwas, das mich selbst überrascht und unglaublich dankbar gemacht hat:

Innerhalb eines einzigen Tages verbreitete sich der Aufruf in unserem Verein und weit darüber hinaus. Schnell wurden uns drei Rollstühle angeboten:

Je einer vom Behinderten-Wohnzentrum Aachen Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. am Driescher Hof, einer von unserem befreundeten Verein Lohmar hilft e.V. und einer über die Künstlerin Tanja Rauschtenberger, die auch an unserer Kunstauktion beteiligt war. Ihr Mann Johannes Wüller ist ärztlicher Leiter von www.homecare-palliativ.de. Darüber hat er Kontakt zu Martin Brandt, Geschäftsführer von BB medica. Dieser stellte, ohne zu zögern, einen niegelnagelneuen Rollstuhl kostenlos zur Verfügung.

Schon am Dienstag konnten wir den Rollstuhl abholen. Am Mittwoch ging der Flieger nach Sarajevo – und die Fluggesellschaft trans­portierte, nachdem sie den Hintergrund erfuhr, den Rollstuhl kostenlos.

Die Bereitschaft so vieler Personen, ohne zu fragen, ohne zu zögern, einfach zu helfen, hat mich tief bewegt.

In Bosnien konnte ich den Rollstuhl persönlich an den Ehemann der erkrankten Frau übergeben. Der Moment der Übergabe war sehr emotional. Er war sichtlich gerührt – nicht nur über den Rollstuhl selbst, sondern über die Tatsache, dass Menschen, die seine Frau nicht einmal kennen, seiner Familie so selbstlos helfen.

Seine Frau und er bedanken sich von Herzen.

Sie bedanken sich beim Aachener Netzwerk.

Sie bedanken sich bei BB Medica.

Und sie bedanken sich bei euch allen, die in diesem Netzwerk dazu beitragen, dass solche kleinen Wunder möglich werden.

Es ist ein Geschenk zu sehen, wie viel Licht entstehen kann, wenn Menschen zusammen­stehen. Für diese Erfahrung bin ich euch unendlich dankbar.

Von Herzen,

Mersiha Krivdic

P.S.: Wir haben uns bei Johannes Wüller, Martin Brandt und Tanja Rauschtenberger bedankt und sie gefragt, warum sie uns unterstützen. Tanja Rauschtenberger schrieb:
„Ich schätze das Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedens­arbeit sehr und wollte helfen, als ich den Rollstuhlaufruf las. Die beiden Männer waren leicht zu überzeugen.“

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Geburtstagsspende

Kathrin wurde 70. Ein Alter, in dem die meisten schon alles haben und nichts mehr brauchen. Eine gute Gelegenheit an die zu denken, denen vieles fehlt. Oder an die zu denken, die sich um diese kümmern. Und so kam Kathrin auf die (gute) Idee, statt Geschenken um Spenden für das Aachener Netzwerk zu bitten.

Verteilt über drei Wochen bekamen wir 13 Spenden zwischen 10 € und 200 €, insgesamt 965 €. Wofür wir uns herzlich bedanken! Und wofür wir uns auch öffentlich bedanken wollten. Aber das wollte Kathrin nicht. Weshalb wir hier auch nicht ihren Nachnamen nennen.

Danke an Kathrin und die 13 Freund*innen!

Ebenso Danke an Nils aus Bonn, der schon lange HEJ-Pate ist. Seine Frau und er haben ihren (summierten) 100. Geburtstag gefeiert, auch sie haben um Spenden gebeten und den Betrag auf 1000 € ergänzt hat. HEJ sagt danke!

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Der Nikolaus kommt!

Nikolaus ist wieder zu Besuch – und diesmal wird es magischer denn je!

Schon zum vierten Jahr in Folge verwandelt sich Aachen in einen Ort voller staunender Kinderaugen und leuchtender Wintermomente. Gemeinsam mit Deutsche Perspektive e.V. Aachen lädt das Aachener Netzwerk wieder herzlich zu einer Tradition ein, die jedes Jahr mehr Herzen berührt:
„Nikolaus ist wieder zu Besuch!“

Bereits ab 11:30 Uhr am Nikolaustag (6. Dezember) wird es im Aachener Welthaus festlich. Während draußen die kalte Winterluft weht, erfüllt drinnen der Duft von süßen Leckereien den Raum. Kinder und Familien strömen neugierig zusam­men, voller Vorfreude und Spannung.

Dann erklingt ein leises Glöckchen.
Ding… ding…

Die Tür öffnet sich – und da tritt er ein: der Nikolaus, mit funkelnden Augen, einem prachtvollen roten Mantel und einem großen Sack voller Überraschungen. Er bringt nicht nur Geschenke, sondern auch faszinierende Geschichten mit, die die Fantasie der Kinder zum Leuchten bringen – von winterlichen Abenteuern, geheimnisvollen Wünschen und lustigen Erlebnissen am Nordpol.

Und natürlich das Highlight:
Jedes Kind bekommt ein Geschenk!

Die kleinen Besucher treten mit strahlenden Gesichtern vor den Nikolaus, lauschen seinen Worten und nehmen voller Freude ihr Geschenk entgegen.

Ein Vormittag voller Wärme, Lachen, Leckereien und leuchtender Augen – ein besonderer Moment, der die Vorfreude auf die Weihnachtszeit für Groß und Klein spürbar macht.

Julia Shporina

Anschließend:

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HEJ – Treffpunkt für Kinder und Jugendliche

Für alle, die unsere Arbeit verfolgen und unsere Rundbriefe lesen, ist unsere Sport- und Kreativwerkstatt HEJ im bosnischen Busovača schon ein bekannter Begriff. Und das seit fast vier Jahren.

In dieser Zeit wurden mehrere Dutzend Klein­kinder, die von Anfang an bei HEJ dabei waren, eingeschult. Mindestens genauso viele wurden von Kindern zu Jugendlichen und einige sind mit HEJ schon volljährig geworden.

Mit mehreren Tausend kre­ativen, tänzerischen, sportlichen und diversen anderen Stunden Programm-Ange­boten, darun­ter literarische und künstlerische Workshops und Wettbewerbe, historische Ausflüge, der Teilnahme beim World-Child-Forum in Davos, Spielplatzbau mit Chaos-Kids aus Freiburg und Stuttgart, mehrere Austauschtreffen mit Schülern aus Bonn und vieles, vieles mehr. Den Kindern und Jugendlichen standen alle diese Jahre mehrere qualifizierte Lehrer*innen und Trainer*innen zur Seite, finanziell unterstützt durch das Aachener Netzwerk.

Mit alldem haben wir mit Sicherheit ein gutes Stück ihres außerschulischen und außer­familiären Lebens positiv beeinflusst. Worauf wir sehr stolz sein können, ist die Tatsache, dass Schwer­punkt der Arbeit immer die zwischen­menschliche Interaktion war. Handy bzw. soziale Netzwerke wurden nur dafür genutzt, um die Aktivitäten in der Werkstatt der Außenwelt sichtbar zu machen.

Mir selbst wird gerade, als ich diesen Text schreibe, wieder bewusst, welche Bedeutung das Aachener Netzwerk für mich hat. Das ist kaum zu überschätzen – ich würde mich selbst als „Kind des Aachener Netzwerks“ bezeichnen. Unter anderem habe ich damals gelernt, welche Bedeutung das Engagement von Einzel­personen und Vereinen für andere haben kann. Auch deshalb habe ich HEJ initiiert.

Bastelgruppe

Dazu gehört aber nicht nur das Engagement einzelner, sondern auch die Unterstützung vieler anderer – durch Wort und Tat, aber auch finanziell.

Deshalb möchte ich Ihnen und euch an dieser Stelle danken, liebe Unter­stützer*innen und liebe Leser*innen, für Ihre und eure langjährige Treue.

Leider, leider steht unser Projekt aber finanziell immer noch auf sehr wackeligen Füßen. Nur ein Drittel unserer Ausgaben wird durch Spendengelder finanziert. Die anderen zwei Drittel kommen z.B. durch unsere Kunstauktion und Geldauflagen des Gerichts hinzu. Aber gerade diese beiden Einnahmequellen sind sehr unstet.

Deshalb wäre es schön, wenn Sie und ihr für unser Projekt im Freundes- und Bekanntenkreis werben würdet. Vielleicht finden sich dort Leute, die unser Projekt unterstützen. Und so dazu beitragen, dass auch in Bosnien Kinder dazu angeleitet werden, sich gesellschaftlich zu engagieren.

Eine HEJ-Patenschaft als dauerhafte Spende ist die höchste Form der finanziellen Unter­stützung – natürlich sind auch Einzelspenden jederzeit willkommen.

Mujo Koluh

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HEJ-Patenschaft

Hiermit übernehme ich eine HEJ-Patenschaft in Höhe von … € monatlich.
Den entsprechenden Betrag überweise ich
□ quartalsweise
□ halbjährlich
□ jährlich
mit dem Verwendungszweck „HEJ-Patenschaft“ auf das Vereinskonto mit der
IBAN DE21 3905 0000 0000 3170 08
bei der Sparkasse Aachen.
Eine entsprechende Spendenbescheinigung wird mir spätestens am Anfang des folgenden Jahres zugesandt. Der Rundbrief des Vereins informiert mich über dieses und weitere Projekte des Vereins.
Die Patenschaft kann jederzeit form- und fristlos gekündigt werden.

Name: __________________________

Vorname: __________________________

Straße: __________________________

PLZ: ______ Ort: ______________________

E-Mail: __________________________

Telefon: __________________________

Datum: __________________________

Unterschrift: __________________________
Hier als separates PDF.
(Bitte ausgefüllt per Post an unsere Vereinsadresse oder als PDF per Mail an HEJ@Aachener-Netzwerk.de)

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Marš mira 2025 – oder: Dorothee unterwegs

Dorothee Schack war im Juli wandern. Nun ja, nicht einfach nur wandern, es war schon etwas Besonderes. Deshalb führt sie uns erst mal in die Hintergründe des Marš mira ein, bevor sie von der Wanderung erzählt:

Jedes Jahr legen mehrere tausend Menschen den Weg zurück, auf dem im Juli 1995 tausende Bosniaken (= muslimische Bosnier) den Truppen der Bosnisch-Serbischen Armee unter Ratko Mladič zu entfliehen suchten. Es ist der sogenannte Marš mira, zu Deutsch der Friedensmarsch, obwohl es eigentlich ein Gedenkmarsch ist. Er führt ungefähr 90 km durch Berge und Wälder in dem Gebiet der Republika Srpska. Das Land ist sehr spärlich besiedelt. Der Weg führt von Nezuk östlich von Tuzla (einer Stadt, die zwar belagert war, aber gemeinschaftlich von Kroaten und Bosniaken verteidigt wurde), nach Potočari, einem Nachbarort von Srebrenica, nahe der serbischen Grenze. Nach Tuzla versuchten die fliehenden Bosniaken 1995 zu entkommen.

Hasan erzählt vom Tod seiner beiden Brüder

Der Marsch wurde zum ersten Mal 2005 zum 10. Jahrestag des Massakers abgehalten und von Überlebenden organisiert. Die Strecke entspricht dem Fluchtweg von 1995, nur eben in umgekehrter Marschrichtung, mit dem Ziel Potočari, wo sich heute die wichtigste Gedenkstätte des Genozids befindet.

Im Juli 1995 flohen Männer, Jungen, vereinzelt auch Frauen, aus der UN-Schutzzone Srebrenica, vor den Soldaten der Armee der Republika Srpska und des serbischen Paramilitärs. Am 11.7.1995 überrannten Bosnisch-Serbische Truppen die Kleinstadt und die Schutzzone Srebrenica, in der sich zu diesem Zeitpunkt ca. 42.000 bosniakische Zivilisten aufhielten.

Seht ihr die Schlange der Wanderer?

Eigentlich war Srebrenica eine muslimische Kleinstadt mit ungefähr 6.000 Einwohnern, aber zehntausende muslimische Bosniaken waren in die Stadt geflüchtet, da sie als eine sichere UN-Schutzzone ausgewiesen war. In ihr befanden sich ca. 450 leicht bewaffnete niederländische Blauhelm-Soldaten, die kein Mandat für den Einsatz von Waffengewalt hatten, und auch sonst der Bosnisch-Serbischen Armee und den serbischen Paramilitärs in militärischer Ausrüstung und Anzahl um ein Vielfaches unterlegen waren.

Srebrenica liegt in einem engen Tal mit Nord-Süd-Ausrichtung. Die serbisch-bosnische Armee drang von Süden her in die Stadt ein. Das UN-Basislager befand sich ungefähr 6 km weiter in Potočari im Norden von Srebrenica. Als am 11.7.1995 klar wurde, dass Srebrenica in die Hände und Gewalt der Bosnisch-Serbischen Armee fallen würde, versuchten etwa 15.000 bosnische Männer und männliche Teenager durch die Wälder und Berge zu fliehen. Sie versuchten in bosnisch-muslimisch kontrollierte Gebiete zu entkommen.

Vereinzelt versuchten dies auch Frauen, wie Fatima, die junge Ärztin. Sie durften wir auf unserem Marsch kennenlernen. Dr. Fatima und die Krankenschwester Christine Schmitz von den Ärzten ohne Grenzen begleiteten uns auf unserem diesjährigen Marsch, wie auch Hasan Hasanović. Alle drei sind sie Zeitzeugen der Geschehnisse von 1995.

Diejenigen, die nicht die Flucht durch die Wälder versuchten, begaben sich über die Landstraße nach Potočari. So drängten sich am Abend des 11.7. etwa 25.000 Menschen auf dem Gelände der ehemaligen Batteriefabrik. Die meisten von ihnen waren Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Die Bosnisch-Serbischen Einheiten rückten bald nach Potočari vor und begannen am 12. und 13. Juli Männer und Frauen im Lager zu trennen. Die Männer wurden von Ratko Mladičs Einheiten ermordet, die Frauen abtransportiert. „Kein einziger Mann über 12 oder 13 Jahre, der sich zu diesem Zeitpunkt in Potočari aufgehalten hatte, überlebte.“ (Zitat Belma Zulčić, Gesellschaft für bedrohte Völker, 2023) An die 8400 muslimische Bosniaken wurden in diesem Zeitraum vom 11. bis 19. Juli in Potočari und den umliegenden Wäldern und Dörfern 1995 ermordet.

Um den Massenmord zu verschleiern, wurden auch nach Ende des Krieges die Massengräber wieder ausgehoben und auf verschiedene andere Stellen verteilt.

2003 wurde der Gedenkfriedhof Potočari eingeweiht. Jedes Jahr werden dort am 11.7. die neu gefundenen sterblichen Überreste entweder in ältere oder neue Gräber in einer bewegenden Begräbnisfeier beigesetzt.

Gedenkfriedhof Potočari

Bis heute weigern sich hochrangige bosnisch-serbische Politiker, die Verbrechen als Genozid einzustufen. Trotz des seit Ende Juli 2021 geltenden Gesetzes, das die Sanktionierung der Genozid-Leugnung vorschreibt, wird noch immer in BiH, in Serbien und auch weltweit das Ausmaß der Verbrechen und des Genozids geleugnet. Seit Beginn der russischen Invasion auf die Ukraine werden auch die großserbischen Fantasien wieder lauter und die Aussichten auf einen wirklich demokratischen, ethnisch vielfältigen und multireligiösen Staat Bosnien und Herzegowina (BiH) immer schmäler.

„Es lässt sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Genozid- und Verbrechens­leugnung, hetzerischer und nationalistischer Rhetorik und dem Rückgang der Fortschritte im Versöhnungsprozess feststellen.“ (Zitat Belma Zulčić, GfbV, 2023)

Der Gedenktag von Srebrenica am 11.7. wird immer wieder von bosnisch-serbischer Seite als Provokation dargestellt und es finden Veranstaltungen statt, die die heroischen Leistungen der bosnisch-serbischen Soldaten besingen.

2024 wurde von der UN-Versammlung der 11. Juli als „Internationaler Tag der Besinnung und des Gedenkens an den Völkermord von Srebrenica 1995“ deklariert. Gegen die Stimmen Serbiens, Russlands und Chinas.

Wegen dieser Genozid-Leugnung, den geschichtsrevisionistischen Anstrengungen im Land, der stärker werdenden Indoktrinierung in der Republika Srpska und dem immer zerbrechlicher werdenden Versöhnungsprozess ist es von großer Wichtigkeit, wenn Hunderttausende Menschen aus aller Welt immer wieder am 11. Juli nach Srebrenica reisen oder den Mars Mira neu bewandern, um ihre Anteilnahme auszudrücken, Empathie zu bekunden, den Falschaussagen die Stirn zu bieten und der ermordeten Menschen zu gedenken. Solidarität den Trauernden und Überlebenden zu bekunden, Gemeinschaft zu bezeugen, wenn Trauer einsam macht.

Da ich sowwohl Mitglied der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und des Aachener Netzwerks (AN) bin, möchte ich an dieser Stelle noch einige Hinweise zu diesen Organisationen geben. Beide Organisationen engagieren sich intensiv in Bosnien und Herzegowina.

Seit Beginn des Krieges 1992 hatten sich alle deutschen Parteien geweigert, einer Intervention zur Beendigung des Völkermordes zuzustimmen. Erst nach dem Massaker von Srebrenica flogen Kampfflugzeuge der NATO-Staaten Einsätze und bekämpften feindliche Ziele. Die Operation endete, nachdem die Serben ihre schweren Waffen abgezogen und Garantien für die verbliebenen Schutzzonen abgegeben hatten.

Das Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit (AN) wurde 1993, zur Zeit der Jugoslawien-Kriege, gegründet und organisierte Hilfstransporte zur notleidenden Zivilbevölkerung.

Die GfbV bezeichnete bereits im Juni 1992 die Verbrechen an der bosniakischen Zivil­be­völkerung als Genozid. Unaufhörlich informierte die GfbV deutsche und inter­nationale Medien, Presse, Funk und Fernsehen sowie die Politik. Sie dokumentierte zahlreiche Berichte von Zeitzeugen und hielt mit eingekesselten bosnischen Städten Funk­kontakt. Während des Jugoslawien-Tribunals zur Aufklärung der Kriegsverbrechen konnte die GfbV maß­gebliche Informationen und Doku­mente liefern und einen wichtigen Beitrag zur Verurteilung einiger weniger Kriegs­verbrecher leisten.

Nach diesen Vorbemerkungen kommen wir nun zum Marš mira 2025:

Wie an jedem der letzten Tage denke ich auch heute an den Marš mira 2025 zurück. Ich staune immer noch, empfinde tiefen Respekt und auch so etwas wie Ehrfurcht. Ich kann immer noch nicht ganz fassen, dass 6500 Menschen diesen recht beschwer­lichen Weg in 3 Tagen geschafft haben, dass man so etwas überhaupt organisieren kann, dass so viele Menschen gekommen sind, und dass wir an jeder Ecke, an der es möglich war, von Anwohnern mit Kaffee, Bananen, Äpfeln und Wasser versorgt wurden.

Erster Tag: Sonne und Regen

Dass so viele Menschen übernachten konnten, auf Zelt­plätzen, aber auch in den wenigen privaten Häusern, wo die Teppiche aufgerollt und die Türen geöffnet wurden. Dass uns so viel Dankbarkeit, Respekt und Gastfreundschaft entgegengebracht wurde. Dass es so viel Hilfsbereitschaft unter den Marschierenden gab. Zuhören, Wegstrecken gemeinsam laufen. Sich Unbekannten freundlich öffnen, anver­trauen. Anerkennung und Würdigung der Opfer. Gemeinsames Betroffensein.

Der Regen hatte manchen Weg in eine Schlamm- und Geröllschlacht verwandelt. Besonders ein Aufstieg am zweiten Tag war eine große Herausforderung. Ich hatte Wanderstöcke dabei, da ich vor diesem Marsch schon eine längere Bergwanderung hinter mir hatte. Hatte meine Wanderstöcke verliehen, weil ich dachte: „Okay, die Berge Österreichs und Sloweniens habe ich jetzt hinter mir gelassen. Jetzt kommt halt der Marš mira und Bosnien…“ (wie ignorant und naiv!) Dann kam dieser Aufstieg in Geröll und Schlamm! Und da stand ein jüngerer Mann im Wald mit etwas, was wohl eine Machete gewesen sein musste, und schlug einen geraden Ast nach dem anderen von den Bäumen, säuberte ihn von Geäst und bot jedem, der vorbeikam lächelnd einen oder ZWEI Stöcke an. Das muss Akkordarbeit gewesen sein!

Das muss man erlebt haben, eine Situation, in der man/frau dringend etwas braucht, und dann steht da jemand und bietet dir genau in der richtigen Minute das Richtige an, und sagt lächelnd: „nimm“. Ich kann mir nicht vorstellen wie ich diesen Weg ohne diese Stöcke auf zwei Beinen geschafft hätte.

Am dritten und letzten Tag gab es eine andere herausfordernde Situation. Wir sind früh um 7:00 losgelaufen. Ich bin sicher, einige Leute wussten von dieser Herausforderung, aber diese Information war nicht wirklich durchgesickert. Wir sind gemütlich in lockerer Formation, so etwa zwei oder drei km Landstraße gewandert, als sich die Menge etwas staute, bis die „Kolonne“ ganz stehen blieb. Man blieb stehen und wartete. Die Sonne schien und es war nicht weiter schlimm.

Mühsam…

Aber dann wurde das Warten immer länger, und niemand in meinem Umfeld wusste, warum wir stehen und warten. Es war vielleicht auch die Sprachbarriere, die die Information nicht durchsickern ließ. Jedenfalls, so nach ¾ Stunde habe auch ich mir einen Platz in den Hängen gesucht, wo ich sitzen, frühstücken und in Ruhe warten konnte. Wir haben vielleicht zwei Stunden gewartet oder länger, ohne dass wir wussten, was los war. In meiner Umgebung hatte sich keiner beschwert. An anderen Stellen hatte es wohl Ungeduld und Empörung gegeben.

Als es dann endlich weiterging, wurde klar, worin die Schwierigkeit bestand. Der Weg wurde immer wieder so steil, dass er mit Seilen abgesichert war. Helfer und geschultes Personal standen bereit, den Menschen über Abgründe und Engpässe hinweg zu helfen. Jedem wurde mit Wort, Tat und Ermutigung über die gefährlichen Stellen hinweggeholfen.

Am Abend des 3. Tages, am 10.7., lief der Marsch in Potočari ein. Ich hatte nicht mitgekriegt, dass dies ein ganz entscheidender Moment war, und bin ohne „meine“ Gruppe alleine in Potočari angekommen. Dabei war dies ein ganz besonderer Moment. Die Marschierenden wurden am Eingang zur Gedenkstätte dankbar und schweigend empfangen.

Da über 100.000 Menschen zur Begräbnis- und Gedächtnisfeier am 11. Juli erwartet wurden, war die Gedenkstätte schon an diesem Vor­abend von Menschenmengen über­schwemmt. Ich fand meine Düsseldorfer Gruppe auf dem Friedhofsgelände beim Abendgebet. Für mich waren die Gebete, denen ich beiwohnte und deren Texte ich nicht verstand, die „gesungen“, rezitiert wurden, von besonderer Schönheit. Die unbegleitete, menschliche Stimme, ohne instrumentale Unterstützung, empfinde ich als kraftvoll, konzentriert, wesentlich und sehr ausdrucksstark. Immer, wenn ich an diesen Gebeten teilnahm, empfand ich einen tiefen Frieden, der wohl auch damit zu tun hatte, dass ich nicht denken musste, sondern nur wahrnehmen, hören und dabei sein durfte.

Die Nacht verbrachten wir in zwei Privathäusern. Wieder erlebten wir eine herzliche, überfließende Gastfreundschaft. Diese privaten Häuser waren so voll belegt von Menschen, die auf Matten, Sofas oder in Betten schliefen, dass ich froh war mein Zelt neben dem Hühnerstall aufschlagen zu können.

Am Vorabend der Gedenkfeier gab es in „unseren Häusern“ Ansprachen, Erinnerungen und Erzählungen von Überlebenden, Umarmungen und Tränen. Einige Mütter von Srebrenica waren da, die viele männliche Verwandte, Söhne und Ehemänner betrauerten. Auch die nicht bosnischen Gäste und Marschierenden waren höchst willkommen. Immer wieder bedankten sich Einheimische, dass wir, die wir nicht betroffen waren, gekommen waren. Immer wieder wurde uns „Dank“ und „Respekt“ bezeugt.

Am 11. Juli schließlich begingen hundert­tausend Trauergäste und Menschen aus aller Welt das Gedenken an die vielen Opfer des Genozids von Srebrenica.

Für die Menschen, die ihn erlebten, war der Marš mira eine Erfahrung, die tiefe Dankbarkeit und Demut in uns erzeugte. Ich möchte mich den Worten meiner Weggenossen Kornelio und Erkan anschließen:

„Danke an alle Menschen entlang des Weges, die uns Rast, Wasser, Worte und Stille anboten. Jeder Blick, jede Geste war Erinnerung. War Liebe. War Würde.“

Dorothee Schack

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